Am 12.05. meldete sich Jan Böhmermann mit dem Neo Magazin Royale aus seiner selbstverordneten Fernsehpause zurück. Anstatt sich weiter mit seinem Gedicht auf Erdogan auseinanderzusetzen, gelingt dem Satiriker mit #verafake der nächste Coup.

Um die fragwürdigen Produktionsbedingungen der RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ aufzudecken, schleust Böhmermann einen Fake-Kandidaten in die Sendung ein. Das Ganze wird dokumentiert und in der Sendung vom 12.05. den Zuschauern präsentiert. Unter dem #verafake konnten Zuschauer die Sendung und den Beitrag online kommentieren.

 Krisen- und Kampagnenanalyse mit VICO Analytics

Mit Hilfe von VICO Analytics lassen sich Krisen und Kampagnen leicht analysieren und hohe Beitragszahlen in Themen clustern. Außerdem lässt sich der Kommunikationsverlauf auf Stundenbasis anzeigen, wodurch sich Dynamiken in der Krisenkommunikation deutlich darstellen lassen. Wie die Analyse einer Krise mit VICO Analytics aussehen kann, wird im Folgenden beispielhaft an einer Kurzanalyse des #verafake dargestellt.

Wie reagieren User in Social Media auf #verafake?

Die aktuelle Ausgabe des Neo Magazin Royale wurde am 12.05. knapp zwei Stunden vor der Ausstrahlung um 22:20 auf dem Spartensender ZDF neo bereits in der ZDF Mediathek zur Verfügung gestellt. Das Kommunikationsvolumen zu #verafake steigt ab 20 Uhr leicht, ab 23 Uhr sprunghaft an. Ab dem 13.05. 16 Uhr sinkt das Kommunikationsvolumen wieder deutlich. Insgesamt wurden vom Tag der Veröffentlichung bis zum 18.05. 27.963 relevante Beiträge untersucht.

Die Kommunikation findet hauptsächlich auf Twitter statt – hier erscheinen fast 9 von 10 Beiträgen. Twitter ist ein klassisches Verbreitungsmedium, ein solcher Kommunikationsverlauf ist also typisch. Häufig generieren User auf Twitter keinen eigenen Content sondern Teilen (re-tweeten) lediglich bestehende Inhalte reichweitenstarker Accounts. So erhalten alleine die Tweets von Jan Böhmermann selbst, dem ZDF und einer Autorin des Neo Magazins zu #verafake insgesamt fast 4.500 Re-Tweets.

Das User-Feedback zu #verafake in Bezug auf das Neo Magazin Royale und Jan Böhmermann ist äußerst positiv. User danken Jan Böhmermann für seine Arbeit und honorieren, dass er die zu erwartende hohe Aufmerksamkeit, die der aktuellen Ausgabe des Neo Magazin Royale zukommt, nutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Auf RTLs Ankündigung hin, die Anschuldigungen zu prüfen, reagieren User ironisch. Die Zustände seien wenig überraschend, so der allgemeine Tenor.

Außerdem wird auch das aktuelle Thema des ESC aufgegriffen, indem auf ironische Weise der Verdacht geäußert wird, Böhmermann habe auch hier Fake-Kandidaten eingeschleust.

Auch auf Facebook findet Kommunikation zum Thema #verafake statt. Im Gegensatz zu Twitter, handelt es sich bei Facebook um eine Plattform auf der User den Content meist selbst erstellen, indem eigene Beiträge oder Antworten auf bestehende Postings verfasst werden. Im Falle von #verafake entlädt sich der Zorn der Nutzer insbesondere auf der Facebookseite  der Sendung „Schwiegertochter gesucht“. Das offizielle Statement zu #verfake wird fast 2.000-mal kommentiert. In den Kommentaren wird bezweifelt, dass RTL in Zukunft etwas an seinen Produktionsmethoden ändern wird. Auch der Inhalt des Statements selbst wird kritisiert.

Über 95% der Kommunikation zu #verfake findet auf Twitter und Facebook statt. Andere Plattformen wurden kaum zur Diskussion genutzt. Die Verteilung der Kommunikation und der Verlauf  auf den genannten Plattformen sind sehr charakteristisch für diese Thematiken.
Der anfängliche Anstieg des Kommunikationsvolumens auf Twitter als klassisches Verteilungsmedium ist typisch, da Beiträge häufig nur geteilt werden und keine inhaltliche Diskussion stattfindet. Diese Diskussion findet wie auch bei #verafake auf Plattformen wie Facebook statt.

Inzwischen ist das Kommunikationsvolumen zu #verafake wieder abgeflacht. Schneller als in vergleichbaren Fällen wurde die Kommunikation von tagesaktuellen Themen, beispielsweise die neuen Entwicklungen im Fall von Böhmermanns Gedicht über Erdogan, überlagert. Dieser Kommunikationsverlauf ist generell typisch, da aktuelle Themen meist abflachen, wenn ein neues Top Thema auftaucht, allerdings flachte es hier verhältnismäßig schnell ab. Beispiele die sich gegen diesen typischen Verlauf stellen, da das Kommunikationsvolumen hier deutlich langsamer abflacht wären beispielsweise Böhmermanns Schmähgedicht oder auch der Abgasskandal. Die Diskussion zu #verafake könnte durch die folgende Ausgabe des Neo Magazins oder Reaktionen, beispielsweise des Presserats, wieder angefacht werden, weshalb es sich lohnt das Thema weiter zu beobachten. Momentan kann allerdings nicht von der Entwicklung eines richtigen Shitstorms gesprochen werden, da die Reaktion der Medien als sehr schwach zu bezeichnen ist und bisher keine inhaltliche Diskussion zu #verafake stattfand.

 

Die beispielhafte Kurzanalyse zum #verafake zeigt zusammenfassend einen klassischen Verlauf und weist keine herausstechenden Besonderheiten auf. Wenn Sie mehr zur den Möglichkeiten der Krisen- und Kampagnenanalyse mit Hilfe des Social Media Monitorings erfahren möchten, kontaktieren Sie uns. Wir helfen Ihnen gerne weiter.